Ob die Winterreifen noch sicher durch Schnee, Matsch und nasse Fahrbahnen kommen, entscheidet sich nicht allein am Kalender, sondern vor allem am verbleibenden Profil. Ich zeige, welche Profiltiefe gesetzlich vorgeschrieben ist, warum ich für den Winter deutlich mehr Reserve empfehle und wie Sie den Zustand Ihrer Reifen zuverlässig prüfen.
Diese Werte entscheiden über Sicherheit und Wechselzeitpunkt
- 1,6 mm gelten in Deutschland als gesetzliche Mindestprofiltiefe.
- Für Winter- und Ganzjahresreifen empfehle ich mindestens 4 mm Restprofil.
- Gemessen wird in den Hauptprofilrillen, nicht an den seitlichen Profilblöcken.
- Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch oder Reifglätte gilt die situative Winterreifenpflicht.
- Seit Ende 2024 benötigen Winterreifen für solche Bedingungen das Alpine-Symbol mit Schneeflocke.
Welche Profiltiefe bei Winterreifen in Deutschland gilt
Die gesetzliche Grenze liegt bei Pkw-Reifen unabhängig von der Jahreszeit bei 1,6 Millimetern. Dieser Wert gilt auch für Winterreifen und wird im Hauptprofil gemessen, also in den breiten Rillen im mittleren Bereich der Lauffläche.
Rein rechtlich darf ein Reifen bis zu dieser Grenze gefahren werden. Aus meiner Sicht ist das für den Winter aber eine schlechte Orientierung, weil der Reifen dann bereits einen großen Teil seiner Sicherheitsreserven verloren hat. Der ADAC empfiehlt deshalb für Winter- und Ganzjahresreifen mindestens 4 mm Restprofil.
| Profiltiefe | Einordnung | Meine Empfehlung |
|---|---|---|
| Über 4 mm | Gute Winterreserve, sofern der Reifen unbeschädigt und nicht zu alt ist | Weiterfahren und regelmäßig kontrollieren |
| 3 bis 4 mm | Spürbar weniger Reserven bei Schnee, Matsch und Nässe | Wechsel für die kommende Saison einplanen |
| 1,6 bis 3 mm | Gesetzlich noch möglich, im Winter aber sicherheitstechnisch kritisch | Austausch zeitnah vornehmen |
| Unter 1,6 mm | Nicht mehr zulässig | Sofort ersetzen |
Neue Winterreifen haben je nach Modell meist etwa 7 bis 9 mm Profil, manche Ausführungen auch rund 10 mm. Entscheidend ist jedoch nicht die ursprüngliche Profiltiefe, sondern wie viel davon bei den aktuellen Reifen noch übrig ist.
Warum 4 mm im Winter mehr bewirken als das Gesetz verlangt
Profilrillen leiten Wasser, Schneematsch und teilweise auch Schnee aus der Kontaktfläche ab. Mit abnehmender Tiefe wird diese Aufgabe schwieriger. Besonders auf nasser Fahrbahn und bei Spurrillen schrumpft die Reserve deutlich, obwohl der Reifen äußerlich noch brauchbar wirken kann.
Bei Schnee zählt außerdem nicht nur die Millimeterzahl. Die Gummimischung, die Anzahl der Lamellen, der Reifentyp und der Luftdruck beeinflussen den Grip ebenfalls. Trotzdem sind 4 mm eine sinnvolle praktische Grenze, weil darunter die Nachteile bei winterlichen Bedingungen deutlich stärker ins Gewicht fallen.
Ich erlebe häufig, dass Autofahrer ausschließlich auf den gesetzlichen Verschleißanzeiger schauen. Das ist zu wenig. Der kleine Steg im Profil zeigt im Grunde nur an, wann die rechtliche Grenze erreicht ist, nicht wann ein Winterreifen noch überzeugend bremst oder Kurven stabil bewältigt.
So messen Sie das Reifenprofil zuverlässig
Am genauesten funktioniert ein einfaches Profiltiefenmessgerät. Es kostet meist wenig, passt ins Handschuhfach und liefert deutlich bessere Ergebnisse als eine reine Sichtprüfung. Messen Sie an jedem Reifen an mehreren Stellen und beziehen Sie auch die Innen- und Außenseite der Lauffläche ein.
- Stellen Sie das Fahrzeug auf einer ebenen Fläche ab und drehen Sie das Lenkrad bei Bedarf, damit die Profilrillen gut erreichbar sind.
- Setzen Sie das Messgerät in eine Hauptprofilrille, nicht auf einen Profilsteg oder in eine kleine Nebenrille.
- Messen Sie pro Reifen an mindestens drei Stellen über den Umfang verteilt.
- Vergleichen Sie die Werte zwischen Innenkante, Mitte und Außenkante.
- Notieren Sie den niedrigsten Wert, denn dieser ist für die Entscheidung maßgeblich.
Als grobe Orientierung kann eine 2-Euro-Münze helfen. Ihr silberner Rand ist ungefähr 4 mm breit. Verschwindet dieser Rand nicht vollständig in der Profilrille, liegt der Reifen wahrscheinlich im kritischen Bereich. Für eine rechtssichere Beurteilung ersetzt die Münze aber kein Messgerät.
Kontrollieren Sie zusätzlich die Verschleißanzeiger, die häufig mit „TWI“ markiert sind. Sind diese Stege bündig mit dem umliegenden Profil, ist die gesetzliche Grenze erreicht. Risse, Beulen, eingefahrene Fremdkörper oder einseitiger Abrieb sind unabhängig von der gemessenen Tiefe Gründe für eine Prüfung in der Werkstatt.
Wann Winterreifen trotz ausreichender Tiefe ersetzt werden sollten
Profiltiefe allein macht keinen guten Reifen. Die Gummimischung altert auch dann, wenn das Fahrzeug nur wenige Kilometer bewegt wird. Der ADAC nennt für Winterreifen einen Austausch spätestens nach sechs Jahren als Orientierung, weil der Gummi mit der Zeit härter wird und bei Kälte an Haftung verliert.
Das Herstellungsdatum finden Sie über die vierstellige DOT-Kennung an der Reifenflanke. Die ersten beiden Ziffern stehen für die Produktionswoche, die letzten beiden für das Jahr. Ein Reifen mit der Kennzeichnung 3522 wurde beispielsweise in der 35. Kalenderwoche 2022 hergestellt.
Ungleichmäßiger Abrieb verdient besondere Aufmerksamkeit. Ist die Innenseite deutlich stärker abgefahren als die Mitte, können falscher Luftdruck, eine fehlerhafte Achsgeometrie oder ausgeschlagene Fahrwerksteile dahinterstecken. Neue Reifen würden das Problem nur kurzfristig verdecken.
Wenn nur zwei Reifen ersetzt werden müssen, sollten die Reifen mit dem besseren Profil grundsätzlich auf die Hinterachse montiert werden. Das verbessert die Fahrstabilität und reduziert das Risiko, dass das Fahrzeug in einer Kurve am Heck ausbricht. Ideal bleibt allerdings ein möglichst gleichmäßiger Reifensatz.
Profiltiefe, Winterreifenpflicht und Ganzjahresreifen richtig einordnen
In Deutschland gibt es keine starre Pflicht, ab einem bestimmten Monat Winterreifen zu montieren. Die Regel gilt situativ. Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte müssen alle vier Räder mit geeigneten Reifen ausgerüstet sein.
Für winterliche Straßenverhältnisse reicht eine alte M+S-Kennzeichnung nicht mehr aus. Seit dem Ende der Übergangsregelung benötigen betroffene Reifen das Alpine-Symbol, also eine Schneeflocke im Bergpiktogramm. Das betrifft auch viele Ganzjahresreifen, wenn sie im Winter gesetzeskonform eingesetzt werden sollen.
Ganzjahresreifen können für Fahrer mit kurzen Wegen, geringer Jahresfahrleistung und überwiegend geräumten Straßen sinnvoll sein. Wer regelmäßig in Mittelgebirge fährt, früh morgens unterwegs ist oder bei Schnee nicht auf das Auto verzichten kann, erhält mit echten Winterreifen meist die größere Sicherheitsreserve.
Unabhängig vom Reifentyp bleibt meine Faustregel einfach: Unter 4 mm sollte ein Reifen nicht in die nächste Wintersaison starten. Bei nur gelegentlichem Schneefall mag ein geringeres Profil noch unauffällig wirken, bei Bremsmanövern auf nasser oder verschneiter Fahrbahn kann der Unterschied jedoch entscheidend sein.

Die kurze Prüfung vor der nächsten kalten Fahrt
Vor dem ersten Frost prüfe ich nicht nur die Profiltiefe, sondern auch Luftdruck, Alter, sichtbare Schäden und die Gleichmäßigkeit des Abriebs. Der Luftdruck sollte nach den Angaben des Fahrzeugherstellers eingestellt werden, weil eine falsche Befüllung Bremsweg, Kurvenstabilität und Verschleiß beeinflusst.
Wer 1,6 mm als reine Rechtsgrenze und 4 mm als praktische Wintergrenze versteht, trifft im Alltag die bessere Entscheidung. Ein Reifenwechsel etwas früher kostet zwar Geld, schafft aber genau dort Reserve, wo kalte Temperaturen, Wasser und Schnee den größten Unterschied machen.