Ein zweiter Radsatz kann den saisonalen Wechsel deutlich einfacher machen. Wer Reifen mit Felgen kauft, erhält im Idealfall ein fertig montiertes, ausgewuchtetes und auf das Fahrzeug abgestimmtes Komplettrad. Ich zeige, worauf es bei Größe, Zulassung, RDKS, Reifenart, Kosten und der späteren Montage wirklich ankommt.
Die wichtigsten Punkte für einen passenden Komplettradsatz
- Komplettrad bedeutet Reifen, Felge, Ventil beziehungsweise RDKS-Sensor sowie Montage und Auswuchten als fertige Einheit.
- Lochkreis, Einpresstiefe, Nabenbohrung, Traglast und Reifengröße müssen zum Fahrzeug passen.
- ABE, ECE-Genehmigung oder Gutachten entscheiden darüber, ob eine zusätzliche Abnahme nötig ist.
- Für den saisonalen Wechsel kostet das Umstecken eines fertigen Satzes meist weniger als das erneute Aufziehen der Reifen.
- 1,6 Millimeter Profiltiefe sind gesetzlich vorgeschrieben, für Sommerreifen empfiehlt der ADAC mindestens 3 Millimeter, für Winterreifen 4 Millimeter.

Warum ein Komplettrad im Alltag so praktisch ist
Ein Komplettrad besteht aus einer Felge, einem bereits montierten Reifen und den passenden Ventilen. Bei Fahrzeugen mit Reifendruckkontrollsystem gehört meist auch ein RDKS-Sensor dazu. Das Rad wird montiert, aufgepumpt und ausgewuchtet geliefert, sodass beim nächsten Saisonwechsel nur noch der komplette Radsatz ans Fahrzeug kommt.
Der größte Vorteil liegt für mich in der Zeitersparnis. Beim Wechsel von Sommer- auf Winterreifen entfällt das Abziehen der alten Reifen, das Aufziehen der neuen Reifen und das erneute Auswuchten. In vielen Werkstätten kostet das Umstecken eines Komplettradsatzes etwa 30 bis 80 Euro pro Fahrzeug, während das Aufziehen und Wuchten eines Reifensatzes häufig bei rund 60 bis 140 Euro liegt.
Ein zweiter Satz Felgen lohnt sich besonders, wenn das Auto mehrere Jahre gefahren wird. Die Anschaffung ist zunächst teurer, doch die Reifen werden weniger oft auf derselben Felge montiert. Das schont Reifenwulst und Felgenhorn und reduziert den Aufwand bei jedem Wechsel. Wer allerdings nur selten fährt oder das Fahrzeug bald verkaufen möchte, fährt mit einem einzelnen Felgensatz und saisonaler Reifenmontage oft günstiger.
Diese Fahrzeugdaten entscheiden über die Passform
Die Auswahl sollte immer beim konkreten Fahrzeug beginnen, nicht bei einer besonders attraktiven Felge. Ich prüfe zuerst die Zulassungsbescheinigung Teil I, das CoC-Papier oder die Fahrzeugdaten des Herstellers. Besonders bequem ist die Suche über HSN und TSN, weil dadurch Motorisierung und Baujahr berücksichtigt werden.
| Angabe | Wofür sie wichtig ist |
|---|---|
| Reifengröße | Bestimmt Breite, Querschnitt und Durchmesser des Reifens, zum Beispiel 205/55 R16. |
| Felgenbreite und Durchmesser | Müssen zur Reifengröße und zur Freigabe des Fahrzeugs passen. |
| Lochkreis | Beschreibt Anzahl und Abstand der Befestigungsbohrungen. |
| Einpresstiefe ET | Legt fest, wie weit das Rad nach innen oder außen im Radhaus sitzt. |
| Nabenbohrung | Verbindet die Felge zentriert mit der Radnabe. Bei Bedarf helfen Zentrierringe. |
| Traglast und Geschwindigkeitsindex | Zeigen, welche Last und Geschwindigkeit der Reifen sicher abdecken darf. |
Die Reifengröße allein reicht also nicht aus. Zwei Felgen mit 17 Zoll können trotz gleichem Durchmesser wegen unterschiedlicher Breite, ET oder Lochkreis unbrauchbar sein. Besonders häufig wird die Einpresstiefe unterschätzt. Eine deutlich andere ET kann dazu führen, dass das Rad am Federbein schleift, zu weit aus dem Radhaus steht oder die Lenkgeometrie ungünstig verändert.
Bei größeren Rädern sollte ich außerdem prüfen, ob der Abrollumfang in einem zulässigen Bereich bleibt. Verändert er sich stark, können Tachoanzeige, Assistenzsysteme und Fahrverhalten beeinflusst werden. Eine seriöse Konfiguration nennt deshalb nicht nur Felgenmodell und Reifengröße, sondern auch Auflagen, Traglast und Freigaben.
Sommerreifen, Winterreifen oder Ganzjahresreifen
Die passende Reifenart hängt stärker vom Einsatzprofil ab als vom Kalender. Wer regelmäßig Autobahn fährt, hohe Jahreskilometer erreicht oder in einer schneereichen Region wohnt, sollte meist zwei spezialisierte Radsätze einplanen. Für kurze Stadtfahrten in milden Gegenden kann ein guter Ganzjahresreifen dagegen die praktischere Lösung sein.
| Reifenart | Stärken | Grenzen |
|---|---|---|
| Sommerreifen | Gute Haftung bei warmem Wetter, präzises Handling und meist niedriger Rollwiderstand. | Bei Schnee, Eis und winterlicher Glätte nicht geeignet. |
| Winterreifen | Mehr Grip bei niedrigen Temperaturen, Schnee und Matsch. | Höherer Verschleiß bei Wärme und zusätzlicher Lagerbedarf. |
| Ganzjahresreifen | Kein saisonaler Reifenwechsel und nur ein Radsatz nötig. | Ein Kompromiss, der bei extremem Sommer- oder Wintereinsatz Nachteile haben kann. |
In Deutschland gilt keine feste Winterreifenpflicht nach Monaten. Bei Schnee, Eis, Schneematsch oder Glätte muss das Fahrzeug jedoch mit geeigneten Reifen ausgerüstet sein. Ganzjahresreifen brauchen dafür das Alpine-Symbol mit Schneeflocke; die ältere M+S-Kennzeichnung allein genügt für neuere Anforderungen nicht mehr.
Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 Millimeter. Für die Praxis würde ich aber nicht bis zu dieser Grenze warten. Der ADAC empfiehlt etwa 3 Millimeter bei Sommerreifen und 4 Millimeter bei Winterreifen, weil Bremsweg und Aquaplaningverhalten mit abnehmendem Profil deutlich schlechter werden können.
ABE, ECE und Gutachten richtig einordnen
Eine Felge darf nicht allein deshalb montiert werden, weil Durchmesser und Lochkreis scheinbar passen. Entscheidend ist, ob die konkrete Rad-Reifen-Kombination für das genaue Fahrzeug freigegeben ist. Bei Originalrädern und in den Fahrzeugpapieren beziehungsweise CoC aufgeführten Größen ist die Sache meist unkompliziert.
Wann keine zusätzliche Eintragung nötig ist
Eine ECE-Genehmigung kann die Montage ohne zusätzliche Eintragung erlauben, sofern alle Bedingungen der Genehmigung erfüllt sind. Auch bei einer ABE ist keine Eintragung erforderlich, wenn das Fahrzeug serienmäßig ist und sämtliche Auflagen eingehalten werden. Das Dokument sollte trotzdem im Fahrzeug mitgeführt werden.
Lesen Sie auch: Wie alt dürfen Reifen sein? Wichtige Tipps zur Sicherheit und Nutzung
Wann eine Prüfung erforderlich werden kann
Bei Zubehörfelgen kann ein Teilegutachten eine Änderungsabnahme verlangen. Das gilt besonders, wenn Auflagen wie eine bestimmte Reifengröße, Radabdeckung oder Freigängigkeit genannt werden. Werden zusätzlich Fahrwerk, Spurplatten oder andere Bauteile verändert, können sich die Änderungen gegenseitig beeinflussen. DEKRA weist darauf hin, dass die Zulässigkeit solcher Kombinationen anhand der jeweiligen Prüfzeugnisse beurteilt werden muss.
Ich würde die Unterlagen deshalb vor dem Kauf prüfen und nicht erst nach der Montage. Eine Felge mit attraktiver Optik ist kein gutes Geschäft, wenn später eine Einzelabnahme, zusätzliche Karosseriearbeiten oder eine nicht eingeplante Berichtigung der Fahrzeugpapiere nötig werden.
RDKS, DOT und Montagekosten nicht übersehen
Bei vielen Pkw mit Erstzulassung ab November 2014 muss jedes Rad mit einem funktionierenden Reifendruckkontrollsystem ausgestattet sein. Beim Kauf eines zweiten Radsatzes sollte deshalb ausdrücklich geklärt werden, ob passende Sensoren enthalten, bereits angelernt oder für das Fahrzeug programmierbar sind.
Fehlende oder inkompatible Sensoren können die vermeintliche Ersparnis schnell aufzehren. Je nach System und Fahrzeug entstehen für vier Sensoren häufig zusätzliche Kosten im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich. Vor dem Kauf frage ich daher nach Sensorart, Kompatibilität und möglicher Programmierung in der Werkstatt.
Auch das Reifenalter gehört auf die Prüfliste. Die vierstellige DOT-Nummer zeigt Produktionswoche und Produktionsjahr an. Der ADAC empfiehlt, Reifen beim Kauf möglichst nicht älter als drei Jahre zu wählen und sie unabhängig vom Profil nach spätestens zehn Jahren auszusortieren.
| Arbeit | Typischer Kostenrahmen |
|---|---|
| Umstecken fertiger Kompletträder | Etwa 30 bis 80 Euro pro Fahrzeug |
| Reifen auf vorhandene Felgen ziehen und wuchten | Etwa 60 bis 140 Euro pro Satz |
| RDKS-Sensoren | Je nach Fahrzeug und System zusätzliche Kosten im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich |
| Einlagerung | Häufig etwa 40 bis 100 Euro pro Saison |
Die Preise schwanken nach Region, Fahrzeuggröße und Werkstatt. Beim Onlinekauf sollte ich deshalb nicht nur den Setpreis vergleichen, sondern auch Versand, Sensoren, Montage, Eintragung und Einlagerung in die Gesamtrechnung einbeziehen.
Woran ich einen guten Satz sofort erkenne
Ein passender Radsatz ist mehr als eine Felge mit vier schwarzen Reifen. Vor der Bestellung sollten Fahrzeug, Saison, Reifengröße, Traglast, Geschwindigkeitsindex, RDKS und Zulassungsdokumente eindeutig feststehen.
- Fahrzeug über HSN und TSN oder anhand der vollständigen Fahrzeugdaten auswählen.
- Freigegebene Rad-Reifen-Kombination mit CoC, ABE oder Gutachten abgleichen.
- DOT-Alter und Profiltiefe prüfen, besonders bei gebrauchten Rädern.
- Bei Winterrädern das Alpine-Symbol und die Schneekettenfreigabe kontrollieren.
- Nach der Montage Radschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen lassen.
- Nach etwa 50 bis 100 Kilometern den festen Sitz der Schrauben prüfen lassen.
Mein wichtigster Rat lautet deshalb, nicht nach dem größten Felgendurchmesser zu entscheiden. Für den Alltag bringen ein passender Reifen, korrekte Traglast und eine unkomplizierte Zulassung meist mehr als ein optisch spektakulärer Radsatz. Genau dann wird der zweite Satz wirklich praktisch und nicht nur teuer.